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ATP-WM in Hannover:

Kiefer scheiterte an Enquist

Gegen Schweden 4:6, 5:7 - Agassi gewinnt den "Klassiker"

Nicolas Kiefer ist wieder einmal bei einem wichtigen Match in Deutschland gescheitert. Der Lokalmatador unterlag in seinem ersten Match bei der ATP-Weltmeisterschaft in seiner Heimatstadt Hannover dem Schweden Thomas Enqvist mit 4:6, 5:7 nach 1:46 Stunden. Noch während der Niedersachse Erklärungen suchte, demonstrierte Andre Agassi wie man mit der Rolle als Favorit und Publikumsliebling umgeht.

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Wirkte in entscheidenden Phasen verkrampft und nervös: Nicolas Kiefer.

Bei seinem 6:2, 6:2-Erfolg im "Klassiker" der Superstars ließ er dem noch nicht ganz wieder in alter Form befindlichen Pete Sampras keine Chance. Die wiedergenesene Steffi Graf verfolgte den Erfolg ihres Freundes mit sichtbarer Freude aus der Loge, die 13.000 Zuschauer in der EXPO-2000-Halle trampelten immer wieder vor Begeisterung. "Pete fehlt einfach die Matchpraxis. Ich habe nur solide gespielt. Normalerweise hast du gegen ihn nur wenig Chancen. Aber heute hatte er doch sichtbar Probleme", meinte Agassi nach dem einseitigen Match.

Kiefer konnte Begeisterungsstürme zuvor nur selten entfachen. Der Funke auf die Fans sprang erst im zweiten Satz ein wenig über, als er mit einem Rebreak auf 5:5 verkürzte und ein noch schnelleres Ende abwehrte. "Ich hatte Krämpfe", sagte Kiefer, "meine Beine gehorchten mir nicht mehr." Damit lieferte er die offizielle Version für manch missglückte Aktion. "Ich bin um mein Leben gelaufen, aber es hat nicht gereicht."

"Mr. Cool" ließ sich nichts anmerken

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Andre Agassi ließ Pete Sampras keine Chance.

Doch auch bei seinen Daviscup-Auftritten und bei den meisten Turnieren in Deutschland verkrampfte er immer dann, wenn sich Hoffnungen und Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf ihn richteten. "Mr. Cool" ließ sich wie immer weder Freude noch Enttäuschung anmerken, doch in entscheidenden Phasen wirkte er nervös und ebnete Enqvist mit Fehlern den Weg zu Punkten.

Kiefer benötigt nun am Donnerstag (14.00 Uhr/live im ZDF) in seinem zweiten Vorrundenspiel in der Weißen Gruppe unbedingt einen Sieg gegen Todd Martin, um noch eine Chance auf das angestrebte Halbfinale zu haben. "Es ist der Vorteil bei diesem Modus, dass man nach einer Niederlage noch nicht ausgeschieden ist", sagte er, "ich werde auf jeden Fall spielen und versuchen, zu gewinnen."

Schwacher erster Aufschlag

"Er wird auf jeden Fall von dieser WM profitieren", sagte unterdessen sein Trainer Bob Brett, "das Messen mit den Besten der Welt ist eine wichtige Erfahrung". Der Australier wusste um die Probleme beim Debüt: "Es ist alles anders, hier muss man schon im ersten Match gegen einen starken Gegner Topform bringen und kann sich nicht langsam von Runde zu Runde steigern."

Erstmals beim 4:4 wurden die Fans richtig laut, trampelten und bejubelten "ihren" "Kiwi", als er am Netz nach zwei Volleys punktete. Doch selbst das rhythmische Klatschen bei bedrohlichen Situationen stellte sich nur zögerlich ein. In beiden Begegnungen in diesem Jahr hatte Kiefer Enqvist schlagen können. Doch in Hannover fand er kaum in sein Spiel. Der erste Aufschlag kam mit einer Quote weit unter 50 Prozent ins Feld, damit lässt sich ein Gegner wie der Australian-Open-Finalist nicht unter Druck setzen.

"Das Publikum hier war super. Es hat mich toll unterstützt", sagte der Abiturient aus Dassel artig. Doch der kühle Profi kann einfach nicht mit den Emotionen spielen, wie es beispielsweise Boris Becker vermochte, der 1996 als letzter Deutscher vor Kiefer für eine WM qualifiziert war. Als der Leimener als Gast die Halle betrat und in seiner Box Platz nahm, war der Applaus größer als bei der Vorstellung von Kiefer vor dem Match.

Von Andreas Hardt, sid - Fotos: Reuters, AP

Geändert am 24. November 1999 17:17 von aj
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