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Tanja Szewczenkos Leidensgeschichte nimmt kein Ende

Tränen statt dreifacher Rittberger

Düsseldorf/St. Petersburg - Die Leidensgeschichte von Eiskunstlaufstar Tanja Szewczenko nimmt kein Ende. Enttäuscht sagte die 22-jährige Düsseldorferin am Dienstag ihre Teilnahme am Grand Prix der Eiskunstläufer am Wochenende in St. Petersburg ab. Der verletzte Fuß macht - noch - nicht mit. Aus dem so sehnsüchtig herbei gesehnten Start in die Saison wird wieder nichts.

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Sie hat derzeit wenig Grund zur
Freude: Tanja Szewczenko.

"Es ist schon deprimierend", sagte Tanja Szewczenko am Dienstag, nachdem sie erst in der Nacht von einem Arzt-Besuch in München zurück gekehrt war. "Ich habe viele Tränen vergossen, wie eigentlich die ganzen Wochen." Der für Dienstagvormittag gebuchte Flug nach St. Petersburg ging ohne sie ab.

"Mir geht es nicht so toll"

Wie es weiter geht, konnte ihr Bayern-Arzt Hans-Wilhelm Müller- Wohlfahrt auch nicht sagen. "Ich denke, dass der Fuß auf dem Weg der Besserung ist, aber mir selbst geht es natürlich nicht so toll", beschreibt Tanja Szewczenko ihre aufgewühlte Gefühlswelt. Nächste Woche will sie in Japan einen neuen Start-Versuch in die Saison machen. Die Deutsche Eislauf-Union (DEU) wurde von der jüngsten Entwicklung völlig überrascht.

Frust nach der zweiten Absage

Zuletzt hatte die WM-Dritte von 1994 wegen der Fußverletzung vor zwei Wochen ihre Teilnahme in Gelsenkirchen absagen müssen. Mit ihrem Start beim "Cup of Russia" wollte Tanja Szewczenko ihre Chancen auf eine Qualifikation für das Grand-Prix-Finale vom 14. bis 16. Januar 2 000 in Lyon wahren. "Ich hatte mich so tierisch auf St. Petersburg gefreut", sagt sie, "alle haben sich für mich eingesetzt, damit ich diesen Ersatzstart bekomme. Und nun klappt es wieder nicht."

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Kein Karriere-Ende

Von dem von vielen in der Vergangenheit herbeigeredeten Karriere- Ende will sie aber nichts hören. "Ich kann ja verstehen, wenn andere glauben: Tanja kommt nicht wieder. Es ist viel passiert", sagt Tanja Szewczenko, "aber ich glaube an mich. Und das ist das Wichtigste. Wenn ich nicht an mich glauben würde, dann würde es wirklich keinen Sinn machen. Aber ich weiß, dass ich das Potenzial habe." Ihr Traum bleibt Olympia 2002 in Salt Lake City.

DM hat Priorität

In der Not macht sie sich wieder Mut. "Man soll nie aufgeben." Aber: "Es ist eine ganz blöde Situation." Lyon hat sie immer noch nicht abgeschrieben, ist aber nicht mehr so wichtig. Tanja Szewczenko setzt ihre Prioritäten jetzt zwangsläufig enger: "Wichtig sind die deutschen Meisterschaften und die Qualifikation für die Europa- und Weltmeisterschaften. Das darf ich nicht gefährden." Bei den Deutschen Anfang Januar in Berlin geht es für Tanja Szewczenko um Alles oder Nichts. Der anvisierte Start in Japan Ende kommender Woche ist ihr dennoch sehr wichtig: "Ich will endlich wieder laufen."

Der vierte Winter mit Problemen

Die Verletzten- und Krankengeschichte der dreimaligen deutschen Meisterin findet damit im vierten Winter nacheinander ihre Fortsetzung. Die Saison 1997 musste die aus Dortmund stammende Läuferin wegen einer Viruserkrankung komplett abschreiben. Ein Jahr später sagte sie auch ihren Olympia-Start in Nagano kurzfristig wegen einer fiebrigen Erkältung ab. Im Vorjahr sicherte sich die Rheinländerin bei den deutschen Meisterschaften zwar den zweiten Platz, gab dann aber bei der EM in Prag unmittelbar vor dem Wettkampf wegen einer Sturzverletzung auf.

WM womöglich ohne deutsche Starterin

Zwischenzeitlich hatte sich Tanja Szewczenko sogar von ihrem österreichischen Trainer Peter Jonas getrennt, danach wurde die Zweckgemeinschaft aber überraschend wieder belebt. Für die DEU kommt es nun doppelt schlimm: Nach der Erkrankung von Meisterin Eva-Maria Fitze (München) wäre Tanja Szewczenko die einzige deutsche Starterin für die Europameisterschaft im Februar in Wien und die Weltmeisterschaft Ende März in Nizza.

Von Richard Janssen, dpa - Fotos: AP

Geändert am 23. November 1999 15:00 von sab
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