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Senkrechtstarter Sebastian Deisler hofft auf sein Debüt

Teeny-Schwarm bleibt auf dem Teppich

Berg - Von Null auf 800: Die junge Karriere von Sebastian Deisler könnte schon am Samstag zu einem historischen Punkt im deutschen Fußball führen. Denn der 19-jährige Länderspiel-Neuling hat die Chance, im entscheidenden EM-Qualifikationsspiel gegen die Türkei als 800. Nationalspieler in der Geschichte des Deutschen Fußball- Bundes (DFB) sein Debüt zu geben.

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"Es ist ein Traum für mich, hier dabei zu sein", meinte der Teeny-Schwarm von Hertha BSC und hielt mit seinem Ehrgeiz nicht hinter dem Berg: "Wenn ich nicht gleich spielen wollte, wäre ich ein schlechter Fußballer."

Ribbeck dämpft Hoffnungen

Die von seinem Berliner Vereinscoach Jürgen Röber und einigen Medien geschürte Hoffnung auf einen Einsatz bereits in der Anfangsformation dämpfte allerdings DFB-Teamchef Erich Ribbeck beim Trainingsauftakt am Starnberger See. "Ich habe nie gesagt, dass er spielen wird. Ich habe nur gelesen, dass ich das gesagt haben soll", korrigierte Ribbeck am Dienstag. Zugleich aber spornte er den Jungstar an, sich in den fünf Trainingseinheiten zumindest für einen Teileinsatz anzubieten: "Ich lade grundsätzlich keinen ein, nur um dabei zu sein. Ich werde mir im Training einen persönlichen Eindruck von ihm vermitteln."

Doppel-Belastung kein Problem

Mit der gleichen Dynamik und jugendlichen Unbekümmertheit, mit der er sich in den ersten Saisonwochen ins Rampenlicht gespielt hat, will Deisler auch Ribbeck von seinen Qualitäten überzeugen. "Trotz der großen Belastung mit der Champions League fühle ich mich fit", betonte der im Sommer für vier Millionen Mark von Mönchengladbach nach Berlin gewechselte Mittelfeldspieler. "Ehrlich, die Nationalmannschaft hatte ich dabei nicht im Kopf. Für mich war Hertha eine große Chance, dazu kam die internationale Bewährung. Es lief alles optimal", bilanzierte der schmächtig wirkende Jungprofi. Schon zuletzt in den EM-Spielen in Finnland und gegen die Nordiren stand Deisler in Ribbecks Aufgebot, musste die Einladung aber wegen eines Muskelfaserrisses absagen.

"Von Null auf hundert geschossen worden"

Nach drei Monaten Hauptstadt-Aufenthalt, sechs Bundesliga- und vier Champions-League-Spielen (einschließlich Qualifikation) für die Hertha scheint Deisler auch seine anfängliche Scheu vor der großen Metropole und der gierigen Öffentlichkeit immer mehr abzulegen. "Jeder wollte alles wissen. Ich bin ohne Eingewöhnung von Null auf 100 geschossen worden", resümierte der Shooting-Star, der das DFB- Trikot bereits in allen Jugend- und Nachwuchsmannschaften getragen hat. Im vergangenen Jahr wurde er mit der U 18 Vize-Europameister, ein Jahr zuvor mit der U 17 WM-Vierter. Nun könnte sogar die "große EM" für ihn folgen. "Das ist noch so weit weg, da denke ich überhaupt noch nicht dran", bleibt Deisler auf dem Teppich. Ausschließen aber möchte der Jungstar nichts: "Ich lasse mich einfach überraschen."

Von Jens Mende und Oliver Hartmann, dpa - Foto: dpa

Geändert am 5. Oktober 1999 16:35 von sab
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