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Doping: Ottey
gibt nicht auf

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Jamaikanische Sprinterin gibt trotz positiver B-Probe nicht auf

Hat sich Otteys Körper selbst gedopt?

Neuss - Trotz positiver A- und B-Probe gibt Merlene Ottey nicht auf. Jamaikas Sprint-Diva, deren Dopingaffäre drei Tage vor dem Auftakt der Leichtathletik-WM von Sevilla weltweit für Aufsehen sorgte, trainiert weiterhin, als stünden Wettkämpfe bevor.

Merlene Ottey gibt trotz gefundener Dopingspuren
nicht auf. Jetzt sollen ihr die Ärzte helfen.

In Slowenien, Heimat ihres jetzigen Trainers Sryidian Djordevic, hält sich die 39-Jährige laut Manager Daniel Zimmermann (Liechtenstein) für eine Reihe von Tests fit, die ihre Unschuld beweisen sollen.

Zwei Jahre Sperre drohen

Doch nachdem die B-Probe laut Mitteilung des jamaikanischen Verbandes vom Mittwoch das positive Ergebnis der Wettkampfkontrolle vom 5. Juli in Luzern bestätigte, bleibt Merlene Ottey bis zur Ende November stattfindenden Anhörung vor ihrem nationalen Verband suspendiert. Diesen Termin bestätigte Manager Zimmermann. Kann die frühere 200-m- und Staffel-Weltmeisterin dabei keine entlastenden Argumenten liefern, tritt eine zweijährige Sperre in Kraft, die wohl das Karrierenende für Merlene Ottey bedeuten würde. Es sei denn, Wissenschaft und Juristen können ihr helfen.

"Merlene fühlt sich total unschuldig, und wir stehen 100 Prozent hinter ihr", sagt Daniel Zimmermann. Er hat Anwälte in Liechtenstein und Zürich mit dem Fall beauftragt. Derzeit wird ein Ärzteteam formiert, das verschiedene Untersuchungen vornehmen soll.

Der Körper kann Dopingsubstanzen auch selbst herstellen

Eine Wettkampfsperre würde die Karriere
der Jamaikanerin wahrscheinlich beenden.

Eine Zielrichtung ist laut Zimmermannn diese: "Im A- und B-Test wurden die Metaboliten Norandrosteron und Noretiocholanolon nachgewiesen. Diese beiden Substanzen können - nach neuesten Erkenntnissen - auch körpereigen produziert werden."

Was Prof. Wilhelm Schänzer, Leiter des Instituts für Biochemie an der Sporthochschule Köln, grundsätzlich nicht bestreitet: "Während einer Schwangerschaft wäre dies normal. Grundsätzlich ist auch eine endogene Produktion möglich, doch bisher wurde diese nur bis zu einem Level von fünf Nanogramm pro Milliliter Urin beobachtet."

Nahrungsmittel können leistungssteigernde Stoffe enthalten

Dieser wissenschaftliche Grenzwert wurde bei der Ottey-Probe überschritten, wenn auch laut Zimmermann längst nicht so deutlich wie in den ähnlich gelagerten Fällen der britischen Sprintstars Linford Christie, 100-m-Olympiasieger von 1992, oder Doug Walker, 200-m-Europameister von 1998. Laut Schänzer wäre es "ein Fall unter 10.000", wenn sich erweisen sollte, dass die körpereigene Metaboliten-Produktion bei Merlene Ottey den derzeitigen wissenschaftlichen Grenzwert deutlich übersteigt.

Waren unerlaubte Muskelmacher
vielleicht im Essen versteckt?

Schänzer räumt ein, dass diese Substanzen undeklariert in Nahrungs-Ergänzungsmitteln enthalten sein können, die in den USA in einer breiten Palette erhältlich sind. Doch dies sei zunächst einmal nachzuweisen. Die Einnahme müsse von den Athleten belegt werden, die vor Dopingkontrollen Angaben über konsumierte Mittel abzugeben haben.

Manager glaubt nicht an Vorsatz

Ottey-Manager Daniel Zimmermann glaubt, es spreche dafür, "dass nicht systematisch etwas passiert sei", wenn Kontrollen seiner Klientin am 12. Mai während des Trainings in Ljubljana, am 30. Juli beim Sportfest in Stockholm und am 27. August zehn Tage nach Bekanntwerden des Falles auf Veranlassung des jamaikanischen Verbandes (Analyse in Indianapolis) negative Resultate gezeigt hätten. Laut Schänzer können Metaboliten allerdings nach wenigen Tagen schon verschwunden sein.

Von Gerd Holzbach, sid - Fotos: Archiv

Geändert am 16. September 1999 16:13 von ahappe
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