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Matthäus will unbedingt nach New York, aber:

Bei MetroStars geht´s drunter und drüber

New York - Vielleicht sollte sich Lothar Matthäus doch noch einmal überlegen, ob er im kommenden Jahr seine Karriere in Amerika ausklingen lassen will.

Zwar könnte er seinen Horizont dort ohne Zweifel erweitern, doch anders als geplant. Denn gegen die New York/New Jersey MetroStars, bei denen der 38-Jährige am 20. Februar 2000 gegen ein Salär von 1,5 Millionen Mark seinen Dienst am Ball antritt, ist selbst der "FC Hollywood" ein Haufen Langeweiler.

Kein Wasser in der Kabine

Die MetroStars gelten als die größte Enttäuschung in der vier Jahre alten US-Profiliga MLS. War der Klub in der Premierensaison 1996 noch der populärste der gesamten Liga, gleicht er mittlerweile einem Tollhaus. Management, Marketing, Verwaltung und vor allem die Mannschaft - überall Chaos. Ein Beispiel: Trainieren muss der Kader auf dem Schulsportplatz am Flughafen Newark - dort kann nur heiß oder kalt geduscht werden, in der Regel fließt gar kein Wasser.

Schlechtestes Team der Liga

Sportlich sind die MetroStars auf einem Rekord-Kurs: Kein Team hat in vier Jahren MLS mehr Niederlagen (68) und weniger Siege (48) verbucht. Von den letzten zwölf Partien haben die Mannen von Coach Bora Milutinovic elf verloren, zuletzt erzielten sie viermal keinen Treffer, insgesamt sind sie seit 365 Minuten torlos - auch eine in der MLS einmalige Leistung. Und noch nie haben die MetroStars ein Spiel gewonnen, bei dem der Gegner in Führung ging (46mal).

Lothar soll es richten

Matthäus soll Abhilfe schaffen. "Ein einzelner Spieler kann uns nicht retten", sagt MetroStars-Manager Charlie Stillitano zwar, doch er hofft, dass das Gegenteil der Fall ist: "Wir brauchen einen Kopf für diese Mannschaft, einen, der ein Siegertyp ist. Und Lothar ist ein Siegertyp." Einstweilen wollen die MetroStars versuchen zu retten, was zu retten ist. "Wir konzentrieren uns noch immer auf die Play-offs", behauptet Stillitano der Realität zum Trotz.

Stillitano hat Hoffnungen allerdings regelmäßig begraben müssen, nicht zuletzt durch sein eigenes Verschulden. Trainer wie Weltmeister-Coach Carlos Alberto Parreira (Brasilien) holte und feuerte er willkürlich, ebenso Spieler: Drei Jahre ist es her, dass in zwei Spielen hintereinander identische Anfangsformationen aufliefen. Der Personalwechsel ist derart rasant, dass nur bei einem MLS-Klub (von zehn insgesamt) kein ehemaliger MetroStar spielt.

Das Team war plötzlich zu teuer

An der aktuellen Misere ist aber kurioserweise auch Lothar Matthäus nicht ganz unschuldig. Nach einer Handschlag-Vereinbarung mit dem Deutschen im Februar stellte Milutinovic sein Team komplett um. Die neu geholten drei Ausländer Meyers (Costa Rica), Palacios (Kolumbien) und Sonora (Argentinien) wurden kostenlos (!) wieder abgegeben, um unter der Gehaltsobergrenze von 1,6 Millionen Dollar pro Team Platz für Matthäus zu schaffen.

Stadion-Miete fast unerschwinglich

Doch Matthäus kam nicht wie von den MetroStars erhofft nach Ende der vergangenen Bundesliga-Saison. In höchster Eile griff der Klub nach drei neuen Ausländern (vier pro Team sind erlaubt), doch der Iraner Khalpour, der Serbe Curcic und der Kolumbianer Zambrano enttäuschten bislang. Der Zuschauerschnitt ist von 24.000 in Jahr eins auf mittlerweile 18.600 pro Partie gesunken, die Auftritte im gemieteten "Giants Stadium" werden dadurch unerschwinglich. Eine neue Spielstätte müsste her, ist aber nicht in Sicht.

Matthäus ist nun der letzte Strohhalm. "Sollten wir die Play-offs verpassen, müssen wir uns darauf konzentrieren, dass mit Lothar alles klar geht", sagt Stillitano.

Von Jerry Hawkins, sid - Fotos: Archiv

Geändert am 11. August 1999 14:21 von sab
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