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Tischtennis-WM in Eindhoven beginnt

Kaltstart in eine Mammutsaison

Unter Konföderationen-Cup-Bedingungen kämpfen "Rückkehrer" Jörg Roßkopf und Co. bei der ersten Einzel-WM der Tischtennis-Geschichte ab Montag in Eindhoven um Olympiatickets und Geld.

Ohne Vorbereitung zur WM: Jörg Roßkopf

Wie die deutschen Fußballer in Mexiko muß das Team des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) nach gut drei Monaten Wettkampfpause beim Ersatzturnier für die wegen des Kosovo-Krieges abgesagte WM von Belgrad aus dem Stand auf Höchstleistung umschalten. "Allen wird ein schwieriger Balanceakt abverlangt", sagt DTTB-Vizepräsident Eberhard Schöler zum überaus ungünstigen Zeitpunkt der WM.

"WM der anderen Art"

Für die DTTB-Asse stehen beim "Kaltstart" in eine 14monatige Mammutsaison Fahrkarten für Olympia 2000 in Sydney und wichtige Fördermittel auf dem Spiel. "Das wird eine WM der anderen Art", sagt DTTB-Chefcoach Dirk Schimmelpfennig.

Anders wird die WM noch aus anderen Gründen: Erstmals seit langem trägt nicht Weltcupsieger Jörg Roßkopf (Düsseldorf), der nach vier Monaten Zwangspause (Schulteroperation) in Eindhoven sein Comeback feiert, die DTTB-Hoffnungen. Vielmehr sind die gebürtigen Chinesinnen Jing Tian-Zörner (Bad Driburg) als Weltranglistenvierte und die unmittelbar dahinter plazierte Qianhong Gotsch (Betzingen) die heißesten Eisen im Feuer. "Unsere letzte WM-Medaille in einem Einzel-Wettbewerb war der Doppel-Titel von Jörg Roßkopf und Steffen Fetzner vor zehn Jahren in Dortmund. Diese Bilanz wollen wir aufpolieren", lautet Schimmelpfennigs Zielvorgabe.

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Weltklasse-Doppel: Nicole Struse und Elke Schall

Der Kölner hat aber noch andere Probleme: Angesichts der Flut von Topterminen wie der Team-WM in Malaysia (Februar), der zweiten Olympia-Qualifikation (Dezember) und Sydney in der "Verlängerung" im September 2000 stehen die DTTB-Trainer vor einer kniffligen Aufgabe: Denn für den DTTB genießt die EM 2000 in Bremen aus Imagegründen Priorität. Schimmelpfennig: "Wir wollen keinen Höhepunkt vernachlässigen, aber eine EM im eigenen Land ist das wichtigste Ereignis. Wir haben auch die Order, die EM sportlich aus deutscher Sicht zu einem Tischtennis-Fest zu machen."

Roßkopf konzentriert sich auf die EM 2000

Auch Roßkopf konzentriert sich auf Bremen: "Die EM ist der Höhepunkt." Für den Olympia-Dritten, der in Eindhoven 1998 bei der EM im Doppel mit dem WM-Zweiten Wladimir Samsonow (Weißrußland) im Doppel ebenso Gold gewann wie das Damen-Team und das Doppel Nicole Struse/Elke Schall (Montpellier/Winterwerb), ist die WM "ein Turnier, das eben gespielt wird". Denn: "Ich habe vor vier Wochen das Spielen wieder wie ein Anfänger lernen müssen. Ich kann aber noch nicht mit der Rückhand voll durchziehen und mit der Vorhand voll beschleunigen. Ich traue mir aber zu, schon ein paar Runden zu überstehen. Hauptsache, ich bin wieder im Geschäft."

Für die Damen geht es um die Olympia-Tickets

Wichtiger ist die WM für die Damen. "2 aus 6" heißt die Formel für Sydney. Für zwei Direkttickets gilt erst das WM-Resultat und dann die Weltrangliste. Damit sind neben Tian-Zörner und "Europe Top 12"-Siegerin Gotsch auch die Kroppacher Weltranglistenelfte Jie Schöpp, Ex-Europameisterin Struse sowie Rekordnationalspielerin Olga Nemes (Lübeck) und Schall im Rennen.

Während Olympia bei den Herren für Roßkopf schon gebucht und für Peter Franz (Ochsenhausen) als Nummer 24 der Welt greifbar nahe ist, wollen Tian-Zörner und Gotsch ihre kometenhafte Aufstiege in die Weltspitze durch Medaillen bestätigen. Die übermächtige Konkurrenz aus ihrem Heimatland China indes setzt alles daran, daß nicht ausgerechnet zwei "Abtrünnige" in ihre Phalanx einbrechen: Damen-Coach Martin Adomeit weiß: "Die Chinesen haben eigens für Jing und "Hongi" Anti-Abwehr-Spielerinnen nominiert."

Von Dietmar Kramer, sid - Fotos: Archiv

Geändert am 30. Juli 1999 12:46 von sab
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