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Boxen: Die Stunde der Wahrheit für Schulz und Klitschko

Der Gürtel soll in der Familie bleiben

Köln - Für Axel Schulz und Wladimir Klitschko ist es die "Stunde der Wahrheit", für das deutsche Profiboxen soll es die Renaissance nach dreijähriger Durststrecke sein.

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Bitte recht freundlich: Klitschko und Schulz

Acht Wochen vor dem mit Spannung erwarteten Duell um Europas Schwergewichts-Krone am 25. September in der Kölnarena eröffneten die Protagonisten Axel Schulz und Wladimir Klitschko samt Anhang vor der imposanten Kulisse des Doms auf dem Roncalliplatz mit einer Pressekonferenz offiziell den Werbefeldzug.

"Für mich steht viel auf dem Spiel. Über alles andere reden wir nach dem Fight", sagte die 30 Jahre alte einstige deutsche Hoffnung Schulz zu seinem möglichen Karriereende im Falle einer Niederlage. Der zwei Meter lange, in Hamburg lebende K.o.-König Klitschko meinte: "Für Axel ist es normalerweise die letzte Chance. Es geht um die EM. Mein Bruder Witali hat den Gürtel abgegeben, ich will ihn in der Familie halten."

"Meilenstein für das deutsche Boxen"

Für den interessantesten Kampf seit dem Skandalfight zwischen Dariusz Michalczewski und Graciano Rocchigiani am 10. August 1996 vor 25.000 Zuschauern am Hamburger Millerntor haben sich die einst verfeindeten Lager zusammengerauft und die deutsche Box-Einheit geschaffen. Die Kirchgruppe (Sat.1) hat RTL für die Live-Übertragung den Vortritt gelassen und die beiden einstigen Streithähne Wilfried Sauerland und Klaus-Peter Kohl ihre jahrelange Fehde beendet. "Wir haben etwas für das deutsche Boxen zu tun. Die deutschen Fans brauchen solche Kämpfe. Der Fight wird ein Meilenstein für das deutsche Boxen", prophezeit Klitschko-Promoter Kohl, und Schulz-Manager Sauerland kündigte bereits an: "Ich kann mir vorstellen, daß wir in den nächsten zwölf Monaten zwei bis drei weitere gemeinsame Veranstaltungen machen."

Auch wenn es die anwesendende hundertfache Medienschar mit sechs Kamera-Teams und zahlreichen Fotografen mit ihren Fragen sowie die 2.500 Schaulustigen mit Zwischenrufen wie "Wladimir, hau ihn einfach um" immer wieder versuchten: Die Atmosphäre blieb freundlich und von gegenseitigem Respekt geprägt, kein böses Wort vergiftete den pompösen Anlaß.

Schulz am Scheidepunkt der Karriere

Akademiker Wladimir Klitschko, der diplomierter Sportlehrer ist, faßte die boxerische Auseinandersetzung gar in Shakespearsche Dimensionen und strotzte sonst auch vor Selbstvertrauen: "Es geht um Sein oder Nichtsein. Ich sehe mich immer in der Favoritenrolle. Ich bin Sportler und will immer gewinnen."

Axel Schulz steht nach drei vergebenen WM-Chancen gegen George Foreman, Francois Botha und Michael Moorer sowie fast einem Jahr Pause seit seinem letzten Kampf gegen Richard Mason am Scheidepunkt seiner Karriere. Deswegen wird sich das 1,90 m lange Kraftpaket ab kommender Woche sieben Wochen im südafrikanischen Kapstadt vorbereiten. "Träumen brauche ich nicht. In Träumen sehe ich in meinen Kämpfen immer gut aus", frotzelte Schulz auf die Frage, ob der Fight ihn im Schlaf beschäftigen würde. Als Sparringspartner soll Ross Puritty (USA) kommen, der Klitschko die bisher einzige Niederlage beigebracht hat.

Üppiges Salär: Drei Millionen für jeden Kämpfer

Der ebenfalls anwesende RTL-Informationsdirektor Hans Mahr ist für den Fight finanziell "hart an die Schmerzgrenze" gegangen: "Ich hatte die Befürchtung, daß das Boxen an Attraktion verliert und es deshalb einen Anschub braucht." Laut Mahr sei das finanzielle Volumen vergleichbar mit den WM-Kämpfen von Schulz, gegen Botha lag dies zwischen 15 und 20 Millionen Mark. Jeder Kämpfer soll mindestens drei Millionen Mark erhalten.

Von Ulf Zimmermann, sid - Foto: dpa

Geändert am 22. Juli 1999 18:31 von root
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