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Skandal beim Giro d'ItaliaPantani erwägt Karriere-EndeCesenatico - Die von Marco Pantani beim Giro d'Italia ausgelöste Doping- Affäre wirft dunkle Schatten auf die Tour de France, die am 3. Juli in Puy du Fou beginnt. Der vom Giro ausgeschlossene Pantani soll die Tour zu einer Art Rehabilitation nutzen. Das sind die Vorstellungen der Firmenleitung seiner Mercatone Uno-Mannschaft.
Der 29jährige Giro- und Toursieger des Vorjahres, bis zu seiner entlarvenden Blutuntersuchung am Samstag die schillernde Lichtgestalt nicht nur des italienischen Radsports, denkt dagegen weiter über ein Karriere-Ende nach. Der Weltranglisten-Zweite und amtierende französische Straßenmeister Laurent Jalabert hat seinen Start-Verzicht für die Tour am Montag bekräftigt. Ergebnis bestätigtMittlerweile hat auch die zweite, am vergangenen Samstag von Pantani vor der vorletzten Etappe des Giro d'Italia entnommene Blutprobe einen erhöhten Hämatokritwert aufgewiesen und damit das Ergebnis der ersten Analyse bestätigt. Der Genesungsprozeß Jan Ullrichs, der am dritten Tag der Deutschland-Tour gestürzt war und eine Platzwunde am Kopf erlitten hatte, macht nur relativ langsam Fortschritte. "Ich hoffe, wir bringen ihn in der nächsten Woche in guter Form an den Start der Tour de Suisse. Ich mache mir ein bißchen Sorgen, gestern konnte er nur vier Stunden trainieren, wobei er immer noch über Kopfschmerzen klagte", sagte Rudy Pevenage, im Team Telekom zweiter sportlicher Leiter hinter Walter Godefroot und in besonderem Maße für den Toursieger von 1997 zuständig. "Die Tour ist offen. Die besten Fahrer sollen kommen"Für Pantani, der sich am Montag weiter in seiner Villa in Cesenatico verbarrikadierte, kommt im Moment ein Tour-Start nicht in Frage. "Es gibt ein Kräftemessen zwischen seinem Team und ihm. Mercatone will ihn zur Tour schicken, Marco will nicht", schrieb der "Corriere della Sera". Godefroot, der mit Ullrich den vermeintlichen Top-Favoriten für die Frankreich-Rundfahrt in seinen Reihen hat, glaubt nicht an eine Teilnahme Pantanis. "Er wird die Vuelta im September und dann die WM im eigenen Land fahren", sagte der Telekom- Teamchef, der nicht an ein Karriere-Stop glaubt. Der Belgier hätte nichts gegen eine Teilnahme Pantanis: "Die Tour ist offen. Die besten Fahrer sollen kommen. Ich hätte mit seinem Start keine Probleme." Pevenage sieht Rundfahrt-Direktor Jean-Marie Leblanc gut drei Wochen vor Tourstart in der Zwickmühle: "Es wird für ihn schwer sein, eine Grenze zu ziehen. Wen läßt er fahren, wen nicht? Dürfte Pantani kommen, wenn er wollte, Zülle, Virenque oder zuletzt der von der Polizei festgehaltene Durand?" Der Tour-Chef hatte mehrfach angekündigt, daß nur Fahrer, die die "neuen Regeln" respektierten, starten dürften. Tifosi feiern PantaniZu denen gehört offensichtlich nicht Jalabert, der sich den neuen Kontrollen des französischen National-Verbandes verweigerte. Deshalb darf er seinen Meistertitel nicht verteidigen und wird auch bei der Tour nicht starten. "Ich mache etwas Urlaub und beginne Ende Juli mit meinem Aufbauprogramm für die Vuelta und die WM", sagte Jalabert am Montag. Der mit einem Hämatokritwert von 52 Prozent aus dem Giro genommene Pantani, der auch nicht aus dem Haus trat, als 500 Tifosi ihn feierten und seine Unschuld beschworen, geht immer noch von einer Komplott-Theorie aus. "Ich soll für einen Fehler bezahlen, den ich nicht begangen habe. Der Radsport ist nicht mehr für mich gemacht", sagte Pantani, der nach eigenen Aussagen zur Zeit "einen Alptraum" durchlebt, der italienischen Zeitung "Tuttosport". "52 Prozent - das ist schon was"Die Staatsanwaltschaft Trento in Südtirol hatte am Sonntag die Meßergebnisse der Blutkontrollen des Internationalen Radsportverbandes UCI beschlagnahmt und eine Gegenanalyse in die Wege geleitet. Pantani war mit einer Überschreitung des zulässigen Blut- Wertes um zwei Prozent von der Kontrolle offensichtlich überrascht worden. Unregelmäßigkeiten der Tests vor dem Start der vorletzten Giro-Etappe in Madonna di Campiglio schloß UCI-Präsident Hein Verbruggen aus: "52 Prozent - das ist schon was. Das ist keine geringfügige Überschreitung." Werte über dem von der UCI festgelegten Limit deuten auf den Gebrauch des im Ausdauersport weit verbreiteten Blut-Doping-Mittels Erythropoietin (EPO) hin. Giorgio Squinzi, Chef des italienischen Pantani-Konkurrenz-Teams Mapei, hatte den Verdacht angedeutet, daß die 60 Erstplazierten des Giro EPO benutzten. Ähnliche Verdächtigungen mußte sich allerdings Mapei-Fahrer Andrea Tafi auch bei seinem überlegenen Sieg beim diesjährigen Weltcup-Rennen Paris- Roubaix gefallen lassen. Andreas Zellmer, dpa - Foto: dpa
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| Geändert am 7. Juni 1999 16:16 von jp | |||||||