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Handball-Team-Oldie Bogdan Wenta trotzt der Zeit

"Verrate mein Alter nicht"

Kairo - Jugendlicher Elan, unstillbarer Erfolgshunger und ein bißchen Eitelkeit - für Bogdan Wenta scheint das Alter keine Bedeutung zu haben. Mit seinen zehn Toren gegen Ägypten warf der Oldie das deutsche Team in Kairo fast im Alleingang zum 23:18-Sieg über den Gastgeber der Handball-Weltmeisterschaft.

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"Einfach wunderbar", schwärmte der Rückraumspieler aus Nettelstedt über sich und die Mannschaft. Der gebürtige Pole lebt Handball mit jeder Faser seines Körpers. Das läßt ihn scheinbar auch der Zeit trotzen und mit seinem Alter kokettieren, das er nicht nennen wollte. "Dazu sage ich nichts, sonst bekomme ich keinen Vertrag mehr", sagte er mit einem herzlichen Lachen, "aber ich bin unter 40."

In der Rolle als "Dino" fühlt sich Bogdan Wenta ausgesprochen wohl. Die Angaben über sein Geburtsjahr schwanken zwischen 1961 und 1963, gleichbleibend sind lediglich das Datum 19. November und der Geburtsort Danzig. Der Deutsche Handball-Bund (DHB) führt ihn inzwischen offiziell als 35jährig. "Laßt doch mal den alten Mann in Ruhe, der muß ins Bett und schlafen", frotzelte der Magdeburger Stefan Kretzschmar nach der Begegnung mit den Ägyptern. Wenta schien dies nichts auszumachen. "Manchmal lachen die und machen ihren Spaß über mich", erklärte er.

"In der zweiten Halbzeit brauchte ich ein bißchen Atem"

Doch der Schein kann trügen. Die Jahre sind nicht spurlos vorbeigegangen an dem Weltenbummler, der von GKS Wybrzeze/Gdansk nach Spanien zu Elgorriaga Bidasoa Irun und zum inzwischen fünffachen Champions-League-Sieger FC Barcelona wechselte und seit 1995 in Nettelstedt spielt. Beide Beine sind von den Füßen bis zur Hälfte der Wade mit einem stabilisierenden Tapeverband versehen - zum einen als Vorbeugung vor Verletzungen, zum anderen als Schutz für die vor rund neun Monaten gerissene Achillessehne. Erst in der unmittelbaren Vorbereitung auf das Championat stieß er wieder zur Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB), für die er seit seinem Debüt 1997 gegen Norwegen bislang 32 Länderspiele bestritt, nachdem er bereits für Polen 180 Mal im Einsatz war.

Öfter als seine Nationalmannschaftskollegen benötigt Bogdan Wenta Erholung und auch längere Zeit der Regeneration. Im letzten Gruppenspiel gegen Saudi Arabien am Montag abend pausiert der passionierte Golfer mit Blick auf die am Mittwoch mit dem Achtelfinale beginnenden K.o.-Begegnungen bereits zum zweiten Mal im Verlauf der WM-Vorrunde. "In der zweiten Halbzeit brauchte ich ein bißchen Atem", gab er nach der Partie gegen Ägypten zu. Bundestrainer Heiner Brand weiß, wie wertvoll Wenta als Motivator, Antreiber und Spieler für die Mannschaft ist, und bescheinigte ihm eine Weltklasseleistung. "Bogdan hat uns hochgehalten. Wenn man beobachtet, mit welchem Engagement er zur Sache geht, ist das für einen Mann seines Alters sehr bemerkenswert. Ich habe große Hochachtung davor", lobte Brand.

Martin Kloth, dpa - Foto: AP

Geändert am 7. Juni 1999 13:12 von jp
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