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Sonntag, 8. Jan. 06
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Vogelgrippe-Virus rückt weiter nach Europa vor Istanbul/Genf/Berlin - Das tödliche Vogelgrippe-Virus H5N1 rückt weiter nach Europa vor. Eine Woche nach dem ersten Todesopfer in der Türkei ist die Zahl der Krankheits- und Verdachtsfälle dort stark gestiegen.
Am Sonntag wurde das lebensgefährliche Virus erstmals bei drei Menschen aus der Region der Hauptstadt Ankara nachgewiesen, teilten die Gesundheitsbehörden des Landes mit. Damit haben sich die Krankheitsfälle in der Türkei gut 1000 Kilometer nach Westen ausgedehnt. Von 28 Proben seien 5 positiv ausgefallen, teilte die Gesundheitsbehörde in Ankara mit. Die beiden anderen Patienten, die sich mit dem Erreger infiziert hätten, stammten aus der Provinz Van im Osten der Türkei, wo es in der vergangenen Woche die ersten drei Todesopfer gegeben hatte. Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) stellte angesichts der Entwicklung in der Türkei eine erneute Stallpflicht für Federvieh in Deutschland in Aussicht. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom Sonntag werden derzeit in der Türkei mindestens 30 Patienten behandelt, die vermutlich mit dem aggressiven Krankheitserreger infiziert sind. Drei Geschwister waren in den vergangenen Tagen in der Uni-Klinik der osttürkischen Stadt Van gestorben, zwei von ihnen nachweislich nach einer Ansteckung mit dem H5N1-Virus. Der türkische Gesundheitsminister Recep Akdag betonte am Sonntag, dass die Befunde der WHO keinen Hinweis darauf erbracht hätten, dass sich der in der Türkei nachgewiesene Erreger vom Menschen auf den Menschen übertrage. Akdag sprach - vor der Bekanntgabe der neuen Ergebnisproben in Ankara - von vier gesicherten H5N1-Fällen. Dabei handele es sich um das gestorbene Geschwisterpaar im Alter von 14 und 15 Jahren sowie um ein achtjähriges Mädchen und einen fünfjährigen Jungen, die beide stationär in Van behandelt werden. Angesichts der vielen besorgten Menschen, die in großer Zahl wegen vermuteter oder vermeintlicher Grippesymptome Krankenhäuser in Städten wie Van, Diyarbakir, Erzurum, Sivas oder Istanbul aufsuchten, warnte der Minister vor Panik. Seit dem ersten Auftreten der Vogelgrippe im Osten der Türkei Mitte Dezember 2005 wurden jetzt auch im Nordwesten des Landes Fälle der Tierseuche bei Hühnern nachgewiesen. In zwei Dörfern der Provinz Zonguldak am Schwarzen Meer sei mit der Vernichtung von 1500 Hühnern begonnen worden, berichtete die türkische Nachrichtenagentur Anadolu am Sonntag. Verendete Hühner waren zuvor in einem Labor in Istanbul untersucht worden. Ob es sich bei dem nachgewiesenen Virus um den für Menschen gefährlichen Typ H5N1 handelt, wurde nicht mitgeteilt. Ein zweiter Verdachtsfall wurde aus der südlich des Marmara-Meeres gelegenen Provinz Bursa berichtet. In Zentralanatolien wurden die Vogelgrippe zudem bei verendeten Wildenten und Wildtauben nachgewiesen. Gleich in mehreren Regionen Mittel- und Ostanatoliens ordneten die Behörden Massentötungen von Geflügel, Quarantänen, Verkaufs- und Transportverbote an. Landesweit wurden zehntausende Hühner, Enten, Puten und anderes Geflügel vernichtet. Das Umweltministerium in Ankara verhängte ein Verbot der Jagd auf Wildvögel. Zugvögel, die auf ihren Wanderungen im Herbst und Frühjahr Station in der Türkei machen, werden als Überträger der Tierseuche angesehen. Seehofer stellte eine erneute Stallpflicht für Federvieh in Deutschland in Aussicht. „Wir gehen bisher davon aus, dass man wohl ab Anfang März wieder mit einer Aufstallung rechnen müsste”, sagte Seehofer in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Das werde aber erst mit Experten und Ländern geprüft, ebenso, ob eine Stallpflicht bei einem zeitigeren Vogelzug auch früher umgesetzt werden könne. „Der Tod von Kindern mache ihn "tief betroffen"”, sagte der Minister in einem Interview der „Bild am Sonntag”. Die Fälle in der Türkei zeigten, „dass wir auch in Deutschland äußerst vorsichtig sein müssen. Die Natur kennt keine Grenzen”. Der Türkei bot der Minister die Entsendung deutscher Virologen als Soforthilfe der Bundesregierung an. Roland Stahl, Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, verlangte mehr Kontrollen an Flughäfen und Bahnhöfen. Der türkische Agrarminister Mehdi Eker bezeichnete es als notwendig, die vor allem in Ost- und Südostanatolien übliche Kleintierhaltung von Geflügel einzudämmen, wenn nicht ganz zu verbieten, um eine weitere Ausbreitung der Vogelgrippe in der Zukunft zu vermeiden. Eine Delegation der WHO flog am Sonntag in den Osten des Landes. Die Experten wollen vor Ort untersuchen, wie sich die Betroffenen angesteckt haben und wie weitere Infektionen verhindert werden können. Weltweit geht die WHO nach den Todesopfern in der Türkei nun von 146 bestätigten Fällen in Kambodscha, China, Indonesien, Thailand, der Türkei und Vietnam aus. 76 Menschen sind an der Tierseuche gestorben. Gesundheitsexperten mehrerer Länder und Vertreter asiatischer Staaten werden sich in der kommenden Woche in Japan zu einem Austausch über die aktuellen Schutzvorkehrungen in der Region treffen. Bei dem Treffen in Tokio am Donnerstag und Freitag solle erläutert werden, welche weitergehenden Maßnahmen notwendig sind, um eine massenhafte Ausbreitung des tödlichen Virus zu verhindern. dpa-infocom
http://rhein-zeitung.de/on/06/01/08/news/t/rzo210598.html |
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