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Daviscup-Relegation: 2:3-Niederlage gegen Weißrussland

Deutsches Tennis muss in die zweite Liga

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Teamchef Patrick Kühnen (r) nimmt Rainer Schüttler nach dessen Niederlage gegen Max Mirnyi in den Arm. Durch die Niederlage führten die Weißrussen uneinholbar mit 3:1. Deutschland steigt aus der ersten Gruppe des Davis Cups ab.

Sundern - 20 Jahre nach dem Aufstieg in die Weltgruppe und zehn Jahre nach dem dritten Daviscupsieg ist Deutschlands Tennis-Nationalmannschaft international nur noch zweite Wahl.

In der Playoff-Runde gegen Weißrussland in Sundern kassierte Rainer Schüttler mit dem 3:6, 5:7, 3:6 gegen Max Mirnji am Sonntag die dritte und entscheidende deutsche Niederlage. Damit geht das deutsche Tennis sportlich und wirtschaftlich schweren Zeiten entgegen. Tomas Behrend hatte am Freitag sein Auftaktmatch gegen Mirnji trotz zweier Matchbälle in fünf Sätzen verloren, Schüttler anschließend ebenfalls in fünf Sätzen gegen Wladimir Woltschkow für den Ausgleich gesorgt. Am Samstag geriet Deutschland durch die Doppel-Niederlage von Schüttler und Nicolas Kiefer gegen Mirnji und Woltschkow erneut in Rückstand, und dieses Mal konnte Schüttler es nicht mehr richten.

"Wir haben uns geschworen, dass wir zusammenbleiben"

Der abschließende Zweisatzsieg von Lars Burgsmüller gegen den 17-jährigen Aliaksandr Skripko hatte nur noch statistischen Wert, unter dem Strich standen ein 2:3 und der Absturz in die Zweitklassigkeit. Damit spielt Deutschland 2004 in der Euro/Afrika-Zone und muss sich dort in maximal zwei Ausscheidungsspielen erst wieder für die Relegationsrunde qualifizieren.

In der Stunde der großen Enttäuschung machten alle Beteiligten aus ihrem großen Frust keinen Hehl. "Es war immer mein Traum, einmal den Daviscup zu gewinnen. Dass ich jetzt in die zweite Liga muss, ist nicht das, was ich mir unter einer großen Daviscup-Karriere vorstelle", sagte Rainer Schüttler, der aber im gleichen Atemzug einen Treueschwur für die Zukunft leistete: "Wir haben uns geschworen, dass wir zusammenbleiben, und ich will nicht hoffen, dass sich irgendeiner von den Jungs das jetzt anders überlegt."

Teamchef Kühnen: "Nach vorne schauen"

Das hofft auch Patrik Kühnen, der fortan mit dem Makel leben muss, als erster Daviscup-Teamchef seit 20 Jahren den Klassenerhalt verpasst zu haben. "Natürlich ist das auch für mich persönlich ein herber Rückstand", gab Kühnen zu: "Ich hatte Ziele mit dieser Mannschaft, und die haben wir nicht erreicht." Für ihn und seine Spieler ist in Sundern "eine Situation entstanden, die wir alle nicht kennen, aber wir müssen vorwärts schauen und perspektivisch an der Zukunft arbeiten".

Vielleicht fällt der Blick in die Zukunft leichter, wenn die Beteiligten zunächst die unmittelbare Vergangenheit analysieren und ihre Schlüsse daraus ziehen. "Möglicherweise hätte man ein, zwei Dinge anders machen sollen", mutmaßte Rekonvaleszent Tommy Haas, wollte sich aber nicht näher erklären: "Das bringt doch alles nichts mehr, wir sind abgestiegen und Schluss."

Becker: "Nur auf Schwächen des Gegners gesetzt"

Boris Becker, der am Samstag einen Besuch beim Bundesliga-Spitzenspiel im Münchner Olympiastadion dem Überlebenskampf des deutschen Tennis in Sundern vorzog, war da schon etwas deutlicher geworden: "Patrik und die Spieler haben sich für Sand entschieden, weil das angeblich Max Mirnjis schwächster Belag ist. Es ist eine typisch deutsche Eigenschaft, immer nur auf die Schwächen des Gegners statt auf die eigenen Stärken zu setzen." Hinzu kam die Beschaffenheit der Bälle, die laut Rainer Schüttler "wie die Kanonenkugeln geflogen sind" und damit dem aufschlagstarken Max Mirnji wie gerufen kamen.

Eine weitere Schwachstelle in Sundern war die Besetzung des Doppels, die Verlegenheitspaarung Rainer Schüttler/Nicolas Kiefer konnte dem eingespielten Weltklasse-Duo Max Mirnji und Wladimir Woltschkow wie erwartet nichts entgegensetzen. Deutschlands bester Doppelspieler Michael Kohlmann saß derweil tatenlos auf der Tribüne, weil Kühnen ihn nicht nominiert hatte. "Das Doppel ist im Daviscup das wichtigste Match, und Deutschland hat kein Doppel", kritisierte Beckers einstiger Trainer Günter Bosch.

Kiefer reagierte bockig

Nicolas Kiefer ist ebenfalls ein großes Fragezeichen in der Mannschaft, die laut Kühnen nur mit "einem gesunden Tommy Haas, einem starken Rainer Schüttler und einem aufsteigenden Nicolas Kiefer eine Chance haben wird, jemals den Daviscup zu gewinnen". Kiefer ist kein Mannschaftsspieler, und bei seiner eigenwilligen Persönlichkeitsstruktur wird er es vermutlich auch nicht mehr werden. Bockig reagierte er, als klar war, dass nicht er, sondern Tomas Behrend das zweite Einzel bestreiten würde: "Patrik Kühnen wird schon seine Gründe haben, wenn wir gewinnen, hat er ja auch alles richtig gemacht."

Als der schwer frustrierte Schüttler nach seiner Niederlage gegen Mirnji in der Kabine hockte und mit den Tränen kämpfte, saß Kiefer in der entgegengesetzten Ecke des Raumes und spielte scheinbar ungerührt mit seinem Handy.

Weitere Einnahmeverluste und fehlende TV-Präsenz

Für den ohnehin wirtschaftlich schwer angeschlagenen Deutschen Tennis Bund (DTB) bedeutet der Abstieg weitere Einnahmeverluste und fehlende TV-Präsenz der Öffentlich-Rechtlichen, doch DTB-Präsident Georg von Waldenfels versuchte sich tapfer in Durchhalteparolen. "Eine Niederlage im Sport ist doch keine Katastrophe, davon geht auch die Tenniswelt nicht unter", sagte der umstrittene DTB-Chef.

sid - Foto: dpa


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Zuletzt geändert am 21. September 2003 17:02 von aj

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