Mo 31.03.2003
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Rahmenbedingungen lassen bei Tischtennis-EM zu wünschen übrig:
Kalte Halle, kaum Fans, keine Nudeln
Courmayeur - Timo Boll hat einen Traum. "Wir müssen die Position von Skispringen einnehmen", hofft der weltbeste Tischtennis- Spieler. Bei der Europameisterschaft im italienischen Courmayeur kommt die Randsportart diesem Wunsch nur auf unfreiwillige Art und Weise nah. Der idyllische Alpenort, umringt vom Mont Blanc und anderen Viertausendern, ist ideal für Skispringer, Skifahrer und andere Wintersportler, aber leider gänzlich ungeeignet für eine Tischtennis-EM. Von einem Image-Gewinn kann keine Rede sein.
"In der Halle ist es eisig. Mit kalten Fingern fehlt mir das Feingefühl", klagte Europameister Boll über die Spielbedingungen in der Eishalle von Courmayeur. Das Eis ist zwar abgetaut und der Steinboden mit dem üblichen Taraflex-Boden ausgelegt. "Man hat es aber versäumt, die Temperaturen in der großen Halle rechtzeitig hoch zu fahren", stellte Damen-Bundestrainer Richard Prause fest. Boll zieht sich zum Aufwärmen in einen kuscheligen Umkleideraum zurück.
Zuschauer-Interesse tendiert gegen Null
Noch vor einem Monat diente eine Umkleidekabine dem 22-Jährigen als Zufluchtstätte vor den zahlreichen Autogrammjägern bei den deutschen Meisterschaften in Bielefeld. In Courmayeur kann sich der Star der Szene unbedrängt bewegen, "Ich habe bisher drei oder vier Autogramme geschrieben", schmunzelte Boll. Das Zuschauer-Interesse bei der EM tendiert gegen Null, das Interesse der Europäischen Tischtennis-Union (ETTU) und ihres italienischen Präsidenten Stefano Bosi an einer besseren Außendarstellung ebenfalls.
Nachschlag in der Kantine verwehrt
Große Veranstaltungen sollten in Länder vergeben werden, in denen die Hallen voll sind. Dann kommt unser Sport besser rüber", forderte Boll. Er bedauerte, dass die EM nicht in Deutschland stattfindet. Doch der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB), zuletzt 2000 EM-Gastgeber in Bremen, hat sich für die Mannschafts-WM 2006 in Bremen und für das EM-Turnier 2007 beworben. Courmayeur erhielt als einziger Kandidat für 2003 den Zuschlag.
Bis Sonntag wollen Timo Boll und die anderen Teilnehmer das Beste machen aus der "kalten EM" mit fehlendem Informationsfluss und zahlreichen Computer-Ausfällen bei der Auslosung. Es passt ins Bild, dass selbst die Essenausgabe nicht pannenfrei erfolgt. Als Timo Boll und der Düsseldorfer Lars Hielscher am Sonntag um einen zweiten Teller Nudeln baten, wurden ihnen der Nachschlag verwehrt. "Wir haben nach langer Diskussion auf die stark benötigten Kohlenhydrate verzichtet. Schade, der Rest der Nudeln wurde weg geworfen", berichtete Boll.
Von Peter Hübner, dpa
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