|
|
||||||||||||||||
Mo 31.03.2003
|
[?]
Jürgen Kohler tritt Dienst in Leverkusen an - Hoffen auf InitialzündungSportdirektor will auch Psychologe sein
Leverkusen - Dem Blitzlichtgewitter im Bayer-Presseraum soll die Initialzündung auf dem Platz folgen. "Wir haben acht Endspiele, und wir wollen so viele wie möglich davon gewinnen", sagte Leverkusens neuer Sportdirektor Jürgen Kohler und gab damit bei seiner offiziellen Vorstellung im Führungsstab des akut abstiegsbedrohten Fußball-Bundesligisten die Richtung vor. "Ich habe die Zeit des Abstiegskampfes schon in Dortmund erlebt. Ich weiß, wie Spieler in so einer Situation denken und fühlen. Meine Aufgabe liegt im psychologischen Bereich. Wir müssen alles aus der Mannschaft herauskitzeln", meinte der Welt- und Europameister. In die Arbeit von Trainer Thomas Hörster will sich der "Fußball-Gott" aber nicht einmischen. "Aufstellung und Taktik liegen in seinen Händen", sagte der 37-Jährige und schob Spekulationen, er könne über kurz oder lang selbst auf dem Bayer-Trainerstuhl landen, weit von sich: "Vielleicht in 20 Jahren einmal." Sollte Hörster, mit dem Kohler einst gemeinsam sein Debüt in der Nationalmannschaft feierte, aber seine Hilfe brauchen, "stehe ich immer zur Verfügung". "Jetzt sind wir quitt mit dem DFB" "Wir sind froh und stolz, dass wir Jürgen Kohler verpflichten konnten und sind dem DFB dankbar. Jetzt sind wir quitt", meinte Bayer-Manager Reiner Calmund in Anspielung auf Rudi Völler. Den heutigen Teamchef hatte Bayer im Sommer 2000 für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) freigestellt, seitdem war der Posten des Sportdirektors in Leverkusen vakant. Jetzt entließ der DFB Kohler aus seinem Kontrakt bis 2007, am vorigen Freitag betreute der "Kokser" zum sechsten und letzten Mal die "U21". "Kohler war unser absoluter Wunschkandidat, seine Vorzüge sind Fleiß, Leidenschaft und Disziplin. Ich erwarte von ihm eine Initialzündung", sagte Calmund, der Kohler für die nächsten fünf Jahre unter Vertrag genommen hat und auf Kontinuität wie einst mit Völler setzt. In den ersten Wochen wird er sich zudem mit dem früheren Vorstopper der Nation, der viermal deutscher, einmal italienischer Meister, Uefa-Cup-, Champions-League- und Weltpokalsieger war, sein Großraumbüro teilen. "Kein Posten eines Frühstücksdirektors" "Das ist kein Posten eines Frühstückdirektors, kein Rentenjob. Hier wird hart malocht. Das wird der Jürgen bald merken", stellte Calmund klar. Der 105-malige Nationalspieler hatte auch schon vor seinem offiziellen Dienstantritt am Montag mit der "Maloche" begonnen. Noch am Sonntagabend führte er erste Gespräche mit dem verletzten Kapitän Jens Nowotny, Nationalspieler Oliver Neuville und Bayer-Urgestein Ulf Kirsten sowie dem Trainerstab. Weitere Einzelgespräche mit den verunsicherten Profis sollen bis zum Spiel am Samstag gegen Hertha BSC Berlin folgen. Erst danach will Kohler am Freitag entscheiden, ob er am Samstag neben Hörster auch auf der Bank sitzen wird. "Es wird keinen Schnellschuss geben" "Ich will alles in Ruhe analysieren. Es wird keinen Schnellschuss geben. Es wird ein bisschen Zeit ins Land gehen, bis alle Ursachen erkannt und behandelt sind", sagte Kohler, der in der nächsten Zeit auch noch zwei- bis dreimal pro Woche selbst mittrainieren will. "Ich denke, dass Kohlers Verpflichtung für die Mannschaft absolut positiv ist. Natürlich erwarten wir Impulse von ihm. Mit seiner Ausstrahlung und seiner Persönlichkeit wird er uns sicher helfen", meinte Torhüter Jörg Butt. Calmund: "Ich muss die Birne hinhalten" Bei allen Erwartungen an den neuen Hoffnungsträger will Calmund seiner neuen Führungskraft aber kurzfristig noch nicht zu sehr in die Verantwortung drängen. "Klar ist, dass ich als Hauptverantwortlicher für alles die Birne hinhalten muss. Es wäre unfair, Kohler jetzt die Retter-Rolle anzudichten. Er kann keine Tore schießen und keine verhindern. Man kann nicht erwarten, dass durch Kohler eine spontane Heilung des Patienten erfolgt", erklärte der XXL-Manager: "Dennoch hoffe ich, dass durch die Mannschaft ein Ruck geht." Kohler ist sich bewusst, dass viel Arbeit auf ihn zukommen wird. "Ich werde viel unterwegs sein, der Job ist viel intensiver als beim DFB", erklärte der Ex-Nationalspieler, der weiter in der Nähe von Köln wohnen wird. Seinen Platz im Wirtschaftsrat seines früheren Klubs Borussia Dortmund stellt er zur Verfügung. Die Entscheidung für Leverkusen ist ihm nicht schwer gefallen. "Bayer hat ein ausgezeichnetes perspektivisches Konzept. Das stimmt ohne Wenn und Aber." Von Joachim Neußer, sid - Foto: dpa |
|
||||||||||||||
|
Zuletzt geändert am 31. Maerz 2003 15:27 von sab |
» Artikel drucken |
|||||||||||||||