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Di 11.06.2002

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"Untreu": Gere in Dreiecksgeschichte
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"Untreu": Richard Gere in Adrian Lynes Dreiecksgeschichte

Erotische Psychologie des Seitensprungs

Anklicken zum Vergrößern Abseits vom Image: Gere als Ehemann

Vom sexy Hüftschwung des "American Gigolo" keine Spur. Der federnde Schritt, mit dem der junge Richard Gere Anfang der 80er Jahre die Frauenwelt im Sturm eroberte, ist einem schweren, fast steifen Gang gewichen. Mit seiner neuen Rolle als hintergangener Ehemann löst sich der Hollywood-Liebling von seinem Image und spielt einen grundsympathischen, normalen New Yorker Geschäftsmann.

In Regisseur Adrian Lynes erotischer Dreiecksgeschichte "Untreu" tritt der Amerikaner den Part des Charmeurs an den jungen Franzosen Olivier Martinez ab, der von der amerikanischen Kritik als "französischer Brad Pitt" gehandelt wird. Vielleicht überraschend: Es habe keinen besonderen Mut erfordert, nach all den Frauenhelden nun den Betrogenen zu spielen, sagte Gere in München vor Journalisten. "Mich interessiert vor allem, dass sich die Charaktere gegenseitig überraschen und viel über sich und ihre Schattenseiten erfahren".

Ganz a la "Verhängnisvolle Affäre": Vorboten des Sturms

Dass die Idylle trügerisch ist, daran lässt Regisseur Adrian Lyne ("9 1/2 Wochen", "Eine verhängnisvolle Affäre") von Anfang an keinen Zweifel. Ein Ruderboot schaukelt am Steg, ein Mountainbike kippt in der Einfahrt: Vorboten des Sturms erobern das stilvolle Anwesen am Rande New Yorks, in dem Edward (Gere) und Connie Sumner (Diane Lane) mit Sohn, Haushälterin und Hund leben.

Die Themen sind Schuld, Betrug, Täuschung

Anklicken zum Vergrößern Diane Lane und Olivier Martinez, der "französische Brad Pitt"

Schuld, Betrug, Täuschung - das sind die Themen, die Lynes sinnliche, stets kontrovers diskutierte Beziehungsthriller beherrschen. Inspiriert von einem seiner Lieblingsfilme, Claude Chabrols Klassiker "Die untreue Frau", seziert er in "Untreu" die Psychologie des Seitensprungs, ohne Partei zu ergreifen.

Ob Betrügerin, Betrogener oder Verführer - Sympathieträger sind sie alle drei. "Adrian Lyne hat Glück gehabt; wir bringen unsere gemeinsame Geschichte, unser gegenseitiges Vertrauen mit in den Film", erzählt Hauptdarstellerin Diane Lane, die für Francis Ford Coppolas "Cotton Club" bereits vor 18 Jahren mit Richard Gere vor der Kamera stand.

Harmonisch eingespielt und liebevoll gehen Edward und Connie miteinander um; in ihrer Ehe haben sie sich bequem eingerichtet. Connie entflieht der Vorstadt-Langeweile mit regelmäßigen Streifzügen durch Manhattan. Bei einem ihrer Ausflüge in die Hochhausschluchten fegt sie ein Sturm direkt in die Arme des Franzosen Paul. Der junge Lebenskünstler, der in einem mit Büchern voll gestopften Loft ihre blutende Wunde am Knie versorgt, lässt die verheiratete Frau nicht mehr los.

Paul - eine verführerische Mischung aus Spontanität und Erotik

Widerstrebend zunächst, lässt sie sich von der verführerischen Mischung aus Spontanität und Erotik in den Bann ziehen. "Schuldig macht sich Paul überhaupt nicht", sagt Olivier Martinez. Wenn überhaupt, mache sich Connie schuldig, weil sie sich auf die Affäre einlasse. "Sonst sind es immer die Männer, die Verhältnisse eingehen. Deshalb ist es sehr interessant, eine Frau zu sehen, die in diese Situation gerät."

Anklicken zum Vergrößern "Adrian Lyne hat Glück gehabt": Regisseur mit "Untreu"-Drehbuch

Überzeugende Leistung von Diane Lane

Eine überzeugende Leistung zeigt Diane Lane ("Der Sturm"): Glaubwürdig spiegelt sie den inneren Konflikt zwischen Loyalität und Abenteuer, Schuld und Begierde. Wobei nicht nur die freizügigen Erotik-Szenen den Schauspielern einiges abverlangt haben. "Adrian Lyne treibt einen zu Momenten, in denen man völlig außer sich ist", erzählt die Schauspielerin.

Am Ende bleibt wenigstens die Fassade

Einen verhängnisvollen Verlauf nimmt die Affäre, als der betrogene Ehemann die Konfrontation mit seinem Nebenbuhler sucht. Am Ende von Lynes Film bleibt der verzweifelte Versuch, die bürgerliche Fassade aufrecht zu erhalten. Und das mit einem - für amerikanisches Kino eher unüblichen - offenen Schluss.

Gunda Achterhold, dpa


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Zuletzt geändert am 11. Juni 2002 10:46 von to

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