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Wimbledon: Alexander Popp macht Furore - Trainer Lüthy:"Ich weiß auch nicht, was hier passiert"London - Der Mann, der aus Alexander, dem Langen, einen Großen machte, rotiert. "Ich muss ihn jetzt total abschirmen, keiner kommt mehr an ihn ran", sagte Helmut Lüthy nach dem sensationellen Einzug seines Schützlings Alexander Popp ins Viertelfinale von Wimbledon.
Auch der 61 Jahre alte Trainer kommt sich in diesen Tagen an der Church Road vor, wie im sportlichen Schlaraffenland. Sechs harte Jahre lang hat er sich mit seinem Spieler durch die dicke "Griesbreiwand" aus unterklassigen Provinzturnieren "fressen" müssen. Jetzt fliegen ihnen die gebraten Tauben in den Mund, Milch und Honig fließen. Olympia in ReichweiteRund 195.500 Mark hat der 23-Jährige aus Mannheim bereits eingenommen, im Champions Race der ATP wird er sich ab Montag etwa auf Platz 70 wiederfinden. Wahrscheinlich wird er sogar vom Deutschen Tennis Bund für eine Olympia-Nominierung vorgeschlagen, weil er in der für Sydney entscheidenden "Entry List" am 10. Juli aller Voraussicht nach der viertbeste Deutscher in der Welt ist. Die DTB-internen Nominierungskriterien hat Popp als Wimbledon-Viertelfinalist jedenfalls erfüllt. "Ich werde ihn aufstellen, da hat er ein Anrecht drauf, wenn er zu den vier besten Deutschen gehört", sagt Daviscup-Kapitän Carl-Uwe Steeb. "Wir wollten eigentlich nur reinschnuppern"Alle Tennisspieler-Träume verwirklichen sich in diesen Märchentagen von Wimbledon. "Ich weiß auch nicht, was hier passiert ist", sagt Lüthy. Der Mannheimer Tenniscoach, der schon als Trainer von Patrik Kühnen und Marcus Naewie gewisse Erfolge aufzuweisen hatte, redet mit Steeb über den hereinbrechenden Wirbel, während er gleichzeitig Pressearbeit leistet: "Alexander wollte hier eigentlich nur mal reinschnuppern, erfahren, wie es so ist auf einem großen Turnier, und dann wieder nach Hause fahren."
Jetzt auf dem Centre CourtJetzt ist der zwei Meter lange Blondschopf am Mittwoch immer noch dabei und wird sich im Match gegen Patrick Rafter wahrscheinlich einen weiteren Traum erfüllen können: "Den Centre Court kenne ich bis jetzt nur aus dem Fernsehen." Seinem Trainer glaubt er mittlerweile wohl alles, denn der hatte Recht behalten, als man sich das erste Mal traf. "Ich habe ihm versprochen, ihn in sechs Jahren unter die ersten 100 zu führen, wenn er bereit ist, hart dafür zu arbeiten", erzählt Lüthy. Harte Arbeit als ErfolgsrezeptDer Bundesliga-Coach von Grün-Weiß Mannheim hat ein einfaches Erfolgsrezept: "Harte Arbeit. Es braucht fünf Jahre, um Tennis spielen zu können, aber zehn Jahre, um ein Meister zu sein." Nicht als Überflieger, sondern auf die harte Tour. "Es gibt nur drei Gründe, die einen Spieler davon abhalten, erfolgreich zu sein", meint Lüthy: "Schule, Verletzung, Freundin." Schule war bei einem Abi-Durchschnitt von 1,6 kein Problem, Verletzungen auch noch nicht wirklich. "Und eine Freundin war grade nicht da, als wir uns getroffen haben", sagte Lüthy: "Da hab' ich gesagt, spielen wir eben Tennis, bis die nächste kommt." Damals war Popp 17 Jahre alt und wollte wegen Erfolglosigkeit aufhören. "Er hat bei mir in Mannheim ein Probetraining gemacht, da habe ich sein Potenzial gesehen", erzählt der Trainer: "Ich weiß nicht, ob das jetzt der Durchbruch ist, das wird man nach Wimbledon sehen." Trainer Lüthy: "Er muss noch viel lernen"Ehrgeiz, Disziplin und Nervenstärke jedenfalls hat Popp - aber auch Schwächen mit der Vorhand und im Flugballspiel. "Er muss noch viel lernen", meint Lüthy, der sich jedoch nicht allein für die Erfolge verantwortlich fühlt: "Wie Alexander den fünften Satz gegen Rosset gewonnen hat, nachdem er im vierten so schlecht war - das ist etwas, das hat ihm der liebe Gott mitgegeben." Von Andreas Hardt, sid - Fotos: dpa
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| Geändert am 4. Juli 2000 14:38 von sab | ||||||||||||