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Vor dem Boxkampf zwischen Francis und Tyson:

Mit lautem Getöse in die Arena

London - Die Koffer waren gepackt, die Fahrzeugflotte stand bereit. Mike Tyson machte sich am Mittwochmorgen auf zum Ort des Geschehens. Nach seiner zehntägigen, von täglichen Schlagzeilen und Protesten begleiteten Werbetour in London reiste der ehemalige Box-Champ aller Klassen nach Manchester, wo er am Samstag in der restlos ausverkauften MEN-Arena (22.000 Plätze) gegen den Briten Julius Francis in den Ring steigt.

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Sorgt in England für Schlagzeilen: "Bad Boy" Mike Tyson.

Und Iron Mike verließ die englische Hauptstadt so, wie er gekommen war: mit lautem Getöse. Der Ami flog per Concorde ein und donnerte bei seinem letzten öffentlichen Training nochmal kräftig los: "Ich werde Francis killen", sagte Tyson dem Pay-TV-Sender Sky. Dann schwächte er ab: "Gut, ich hoffe, dass er nach dem K.o. wieder aufsteht. Aber das ist einfach meine Motivation."

Rauschende Einkaufstouren

Sein Promoter Frank Warren weiß "Londons unbeliebtesten Touristen", wie ihn ein Parlamentsmitglied nannte, schlagkräftig und kontrovers in Szene zu setzen. Angefangen mit seinem zehntägigen Luxus-Trainingslager im Fünfsterne-Hotel Grosvenor House in London, der dort für 45.000 Mark umgebauten Nobelsuite in eine Box-Gym und nicht zuletzt Tysons rauschende Einkaustouren der Vorwoche.

Mit Millionen um sich geworfen

Tyson kaufte die Straßenversion eines McLaren-Flitzers für sage und schreibe 1,8 Millionen Mark, dazu eine mit Diamanten überladene Uhr für 1,5 Millionen Mark sowie Designer-Anzüge. Dann der Kontrast: Tyson besuchte den Londoner Stadtteil Brixton, der vorrangig von Farbigen bewohnt wird. Und die drehten bei Tysons Anblick fast durch, schrien, kletterten auf Autos und Straßenlaternen, um ihren Helden zu sehen. Der vorbestrafte Tyson selbst mußte ironischerweise in einer Polizeistation Zuflucht vor den Massen suchen.

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Gibt sich cool: Julius Francis.

"Arme Kids"

Über seine Mission im Armen-Viertel sagte er in der Daily Mail: "Die armen Kids da draußen wissen doch gar nicht, ob ich eine Vergewaltigung begangen habe oder in einen Straßenkampf verwickelt war. Die wollen einfach einen berühmten Typen, der ihnen Liebe und Respekt entgegenbringt und ihnen das Gefühl gibt, dass sie wichtig sind."

Tyson spaltet die Nation

Das war dem Telegraph dann doch zuviel: "Hier ist ein Mann, der nichts von Sportsgeist, Gesellschaft, Frauen, Sparsamkeit, Gewaltfreiheit und Shakespeare versteht, und wir erheben ihn zur Ikone. Tyson braucht eher einen Sozialarbeiter als eine Primetime-TV-Aufritt..." Knock out mit Worten. Tyson spaltete die Nation. Frauen-Gruppen machten Front gegen ihn. Dass Tyson auch noch nachts verbotener Weise im Hyde Park joggte und damit gegen das Gesetz verstieß, passte ins Bild.

Francis: Der nette Junge von Nebenan

Da nimmt sich Gegner Julius Francis, der nur rund drei Millionen Mark Kampfbörse erhält (Tyson dagegen 15 Millionen), wie der anständige Junge von Nebenan aus. Abgeschieden und spartanisch bereitete er sich in einer Armeekaserne in Aldershot auf den großen Kampf vor. Braune Armee-Bettdecke, Regal, Schrank, Toilette auf dem Gang, Fernseher nur im Gemeinschaftsraum. Sympathisch, aber leider kein Verkaufsschlager in der Faustkämpfer-Szene.

Fans warten auf den großen Kampf gegen Lennox Lewis

Zudem wartet die Boxszene ohnehin eher auf den wirklich großen Fight. Sollte Tyson als Sieger aus dem Ring steigen, wird ein Fight gegen Schwergewichts-Weltmeister Lennox Lewis (England, hält WBA,- IBF,- IBO und WBC-Gürtel) sehr wahrscheinlich. Der 34-Jährige hat zwar noch Pflichtkämpfe zu bestreiten. Doch die Verhandlungswege sind kurz. Lewis wird von Frank Malone gemanagt, der auch Tyson-Gegner Francis unter Vertrag hat. Und der bestätigte bereits "erste Gespräche" über Lewis - Tyson im Herbst in England.

Von Claudia Weidlich, sid - Fotos: AP

Geändert am 26. Januar 2000 15:51 von sab
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