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Noch kein EM-Sieg: Blamabler Autritt der Handballer

Brand denkt nicht an Rücktritt

Rijeka - Der deutschen Handball-Nationalmannschaft droht die größte Blamage seit Jahren. Bei der Europameisterschaft in Kroatien steht das Team von Bundestrainer Heiner Brand nach vier Spielen ohne Sieg mit nur zwei Punkten vor dem freien Fall ins Bodenlose. Der hoch verschuldete größte Handball-Fachverband der Welt ringt acht Monate vor den Olympischen Spielen um Reputation und Schadensbegrenzung.

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Einer der wenigen Lichtblicke: Bernd Roos.

Uli Strombach, der Präsident des Deutschen Handball-Bundes (DHB), gerät gegenüber den Sponsoren nach der Talfahrt des Bronzemedaillen- Gewinners von 1998 in Erklärungsnotstand. Der Riese ist im Marktwert zum Zwerg geschrumpft.

Platz neun realistisch

Maximal Platz sieben ist nach 2:6 Punkten aus den beiden Niederlagen gegen Frankreich (19:25) und Kroatien (20:21) sowie den Unentschieden gegen die Ukraine (24:24) und dem 22:22 gegen Norwegen seit Dienstag noch möglich. Rang neun ist aber wie 1994 in Portugal und Rang acht 1996 in Spanien eher realistisch, wenn die DHB-Auswahl auf dem Nebenschauplatz in Rijeka am Samstag eines der "Vorspiele" zum EM-Medaillenkampf am Sonntag in Zagreb bestreiten muss.

Brand: "Man darf nicht davonlaufen"

"Ich werfe die Brocken nicht hin, weil ich die Gründe für unsere Situation mit vier verletzten Rückraumspielern kenne. Man darf aber nicht vor den Problemen weglaufen, man muss sie lösen", beugte der Weltmeister von 1978 nach dem 22:22 in den letzten zwei Sekunden gegen Norwegen allen Spekulationen vor, er könnte vorzeitig resignieren. Brand steht vor den Trümmern seiner Aufbauarbeit, die der Coach seit der mühsamen Rückkehr der DHB-Auswahl nach Platz sieben bei Olympia 1996 und der verpassten WM 1997 geleistet hat.

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Harmloser Riese: Volker Zerbe aus Lemgo.

Schwache Nerven

"Wenn wir die Spiele nicht nach Hause schaukeln können, sind wir eben nicht besser", meinte Brand. Die Nervenschwäche seiner Spieler, die gegen die Ukraine und Kroatien schon drei Punkte verschenkt hätten, ist eklatant und erinnert in fataler Weise an die Jahre des Abstiegs aus der Weltspitze. Der Coach muss aufpassen, dass sein Ruf mit dem letzten Vorrundenspiel am Donnerstag gegen den Titelfavoriten Spanien keinen größeren Schaden nimmt. Nach dem 22:28 gegen Frankreich stehen die Iberer gegen die DHB-Auswahl unter Siegzwang.

"Gewisse Ohnmacht"

"Ich drehe mich bei der Analyse des Norwegenspiels allmählich im Kreis", betonte Brand, "es war nichts Neues, in den Schlusssekunden wie schon gegen Kroatien und Ukraine wieder die Punkte zu verschenken. Offenbar wollen wir die Chancen nicht nutzen. Warum, kann ich mir nicht erklären", meinte Brand und gab eine "gewisse Ohnmacht" bei der Suche nach Alternativen zu. Für die angeschlagenen Lemgoer Rückraumspielern Volker Zerbe (Fingerbruch/verschleppte Bronchitis) und Daniel Stephan (Daumenbruchoperation) fehlt der Ersatz und Entlastung auf den spielbestimmenden Positionen.

Trainer ist "auf alles gefasst"

Der Eisenacher Jörg Schläger und der Mindener Frank von Behren sind noch nicht reif und routiniert genug, um das Spiel in den Griff zu bekommen. Der kurzfristige Ausfall von Regisseur Markus Baur (Wetzlar) mit einer schweren Wadenzerrung traf den Trainer ebenso hart wie die Absagen von Christian Schwarzer (Bänderriss) und Bogdan Wenta (Achillessehenriss) schon vor der EM. "Ich bin auf alles gefasst", meinte Brand, "wir müssen nur noch zwei Spiele ordentlich zu Ende bringen."

Von Rainer Fülscher, dpa - Fotos: dpa

Geändert am 26. Januar 2000 11:06 von sab
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