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Chaos bei deutschen Ski-Frauen: Trainer tritt zurückPrivate Liason sorgt für SpannungenCortina d'Ampezzo - Der Aufschwung der deutschen Ski-Rennläuferinnen ist ins Stocken geraten, und der erste Trainer warf das Handtuch: Angesichts anhaltender Spannungen innerhalb der Mannschaft kam Technik-Coach Wolfgang Grassl, Lebensgefährte der derzeit verletzten Slalom-Olympiasiegerin Hilde Gerg, seinem geplanten Abgang zum Saisonende zuvor.
Er verließ das Quartier des deutschen Teams beim Weltcup in Cortina d'Ampezzo und stellte mit sofortiger Wirkung seine Arbeit ein: "Die Mannschaft stand nicht mehr geschlossen hinter mir." "Nicht mehr zu halten"So eskalierte ein Problem, das sich spätestens seit Weihnachten entwickelt hatte. Da war Martina Ertl, mit dem Segen des Deutschen Skiverbandes (DSV) eine Zusammenarbeit mit Österreicher Toni Trenkwalder eingegangen. Mit Erfolg: Im Riesenslalom und Slalom fand die Lenggrieserin wieder Anschluss an die Weltspitze - und leitete so Grassls Demontage ein. Für Cheftrainer Wolfgang Maier war zu seinem Leidwesen klar: "Er war nicht mehr zu halten. Er konnte nur noch verlieren." In die Mannschaft sei ein "extremer Keil" geschlagen worden. "Ich hatte keine Rückendeckung"Das sah Grassl ähnlich. Ertl hatte er schon verloren, deren "Helfer" Trenkwalder forderte sogar seinen sofortigen Rauswurf. Dem kam Grassl nun zuvor, Begründung: "Ich hatte keine Rückendeckung von den eigenen Leuten mehr." Auch Grassls private Liason mit Gerg war nun zum Problem für einige Läuferinnen geworden. "Mir wurde intern vorgeworfen, ich würde eine Individualbetreuung von Hilde machen", sagte Grassl. Maier stellte fest: "Im Erfolg nimmt man viele Dinge hin", das mit Grassl und Gerg habe er sich auch "ein wenig anders vorgestellt".
"Das ist eine blöde Sache"Vor allem Martina Ertl hatte wohl andere Vorstellungen und fühlte sich innerhalb der Mannschaft benachteiligt. "Ich musste einen Schritt aus dem Team heraus tun", rechtfertigte sie ihre "Flucht" zu Trenkwalder. Nun ist Grassl weg und "das ist eine blöde Sache für mich", bekannte Ertl und ergänzte: "Klar, ich war die ausschlaggebende Person." Cheftrainer Maier wird gemeinsam mit Abfahrtscoach Stephan Kurz die Technikerinnen bis zum Saisonende betreuen. "Dann holen wir neutrales Personal", sagt der Chef. Schwache VorstellungErtls "Helfer" Trenkwalder wird vom DSV nur noch bis Ende der Saison geduldet. Bislang arbeitete der 35-Jährige zwar erfolgreich, in Cortina erhielt Ertl, beeinflusst durch die Diskussionen um den Trainer, aber einen Dämpfer. In der Abfahrt, die Regine Cavagnoud aus Frankreich (1:34,01 Minuten) deutlich vor Tanja Schneider aus Österreich (0,93 Sekunden zurück) und der Slowenin Mojca Suhadolc (0,96) gewann, erreichte die Lenggrieserin nur Rang 17 - nach den glänzenden Trainingsleistungen und Top-Platzierungen am Wochenende zuvor in Altenmarkt eine enttäuschende Vorstellung. Beste Platzierung des Wochenendes durch Regina HäuslAuch im Riesenslalom, wo sie zuletzt in Berchtesgaden Rang drei belegt hatte, lief es nicht mehr optimal. Martina Ertl rettete aber begünstigt durch zahlreiche Ausfälle immerhin noch den neunten Rang (2:47,92 Minuten). Nur einen Rang dahinter landete die einmal mehr überzeugende und nicht von Toni Trenkwalder betreute Petra Haltmayr (Rettenberg/2:48,11), die mit Startnummer 45 (!) ins Rennen gegangen war. Anna Ottosson aus Schweden gelang unterdessen ihr erster Sieg im Weltcup (2:45,76) vor Birgit Heeb aus Liechtenstein und Allison Forsyth aus Kanada (jeweils 2:46,63). Die Führung im Gesamtweltcup behauptete die Österreicherin Michaela Dorfmeister (757 Punkte) vor Teamkollegin Renate Götschl (686). Für die beste deutsche Platzierung sorgte aber Regina Häusl (Bad Reichenhall). Die war am Wochenende zuvor einmal Zweite (Abfahrt) und einmal Dritte (Super-G) geworden in Altenmark, diesmal reichte es nur zu Rang sieben auf der "Olimpia delle Tofane", auf der sie schon 1993 ihr bislang einziges Weltcup-Rennen gewonnen hatte. Dennoch: Häusl liegt überraschend auf Rang zwei im Abfahrts-Weltcup (228 Punkte) hinter Isolde Kostner aus Italien (268), die "kleine Kristallkugel" ist bei noch fünf Rennen in dieser Disziplin überraschend in Reichweite. Von Thomas Häberlein, sid - Fotos: AP
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| Geändert am 23. Januar 2000 16:07 von sab | ||||||||||