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Eislauf-EM: Friesinger siegt, aber Niemann läuft Weltrekord

Eislauf-EM: Überraschungssieg für Friesinger, aber:

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Fabelzeit: Eis-Königin Niemann-Stirnemann

Niemann läuft Weltrekord

Hamar/Norwegen - Jungstar Anni Friesinger hat bei den Mehrkampf-Europameisterschaften die Hackordnung unter den Eisschnellläuferinnen durcheinander gewirbelt. Die Inzellerin kam in einer Millimeter-Entscheidung zu ihrem ersten Vierkampf-Titel vor Rekordweltmeisterin Gunda Niemann- Stirnemann, die am Sonntag über 5 000 m in 6:56,84 Minuten einen fantastischen Weltrekord aufstellte und sich im Gesamtklassement um die Winzigkeit von 0,026 Punkten geschlagen gab.

Dritte wurde die Niederländerin Renate Groenewold vor der 98er Europameisterin Claudia Pechstein (Berlin). "Das ist fantastisch, ich kann es kaum glauben", strahlte Anni Friesinger, nachdem sie völlig ausgepumpt auf das Eis gesunken war und ihr Astma-Spray nehmen musste.

Doppelsieg für Dittrich und Morgensternüber 10 000-m

Für einen weiteren Paukenschlag des Tages sorgten zum Abschluss die beiden Chemnitzer Frank Dittrich und Knut Morgenstern, die im 10 000-m-Rennen einen Doppelsieg landeten. Dittrich stellte dabei in 13:28,68 Minuten einen deutschen Rekord auf, hatte aber im Gesamtklassement wegen eines Sturzes keine Chance.

Anni Friesinger, die ohne Streckensieg blieb, glänzte vor allem durch ihre Ausgeglichenheit und mit stark verbessertem Spurtvermögen. "Gunda ist eine Fabelzeit gelaufen. Es wurde noch furchtbar eng, eigentlich gab es zwei Siegerinnen", verteilte sie Komplimente an die große Rivalin. Die Grundlage zum Erfolg legte Anni Friesinger mit der Sprint-Bestzeit von 39,79 Sekunden, danach war sie über 1 500 m Vierte und über 3 000 m Zweite geworden.

Friesinger - größtes deutsches Eislauf-Talent

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Glückliches Team: Anni Friesinger und Coach Eiche

Auf den abschließenden 5 000 m verteidigte das größte deutsche Eislauf-Talent seinen Vorsprung im direkten Duell gegen Groenewold, die die 3 000 m in 4:05,44 Minuten für sich entschieden hatte. Die frühere Junioren-Weltmeisterin, die vor zwei Jahren schon mit dem Gewinn des WM-Titels über 1 500 m für Aufsehen gesorgt hatte, komplettierte als Dritte hinter Niemann und Pechstein den deutschen Dreifacherfolg wie vor zwei Jahren über 3 000 m in Nagano.

"Ich bin zehn Jahre jünger als Gunda, das kann im Endeffekt den Ausschlag geben", hatte Anni Friesinger bereits vor dem entscheidenden Rennen spekuliert. In der Stunde des Erfolgs erinnerte sie sich an ihre verletzungsbedingte Pause im Vorjahr: "Das war eine miese Zeit. Aber jetzt genieße ich in vollen Zügen. Heute wird ausgiebig gefeiert".

Immer noch frisch: "Eis-Königin" Gunda

Vom Verblassen des Sterns der "Eis-Königin" Gunda Niemann- Stirnemann, die schon über 500 m fast eine Sekunde auf Friesinger verlor, konnte keine Rede sein. Zwar übte sich die Thüringerin nach dem ersten Tag in Selbstzweifeln, wollte aber nicht ihre seit Ende Dezember anhaltende Erkältung dafür verantwortlich machen. "Ich hatte keine Power auf die Schlittschuhe bekommen. Es fehlte einfach der Saft", bedauerte die 33-Jährige.

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Deutscher Dreifacherfolg über 5000: Friesinger, Niemann, Pechstein (v.li)

Nach den 5 000 m, auf denen sie eines der Glanzrennen ihre Karriere hinlegte, hatte die Erfurterin Tränen der Freude in den Augen und strahlte über die kaum noch für möglich gehaltene Silbermedaille. "Diesmal bin ich endlich locker gelieben. Auch mein Trainer hat gesagt: Du kannst es doch", war sie glücklich. "Der EM-Titel war nicht mein Ziel. Die Ausgangsposition ist drei Wochen vor den Weltmeisterschaften nun auf keinen Fall schlechter als im Vorjahr", erklärte die 16fache Weltmeisterin mit spürbar angekratzter Stimme.

Trauriger Dittrich: Trotz Sieg kein WM-Ticket

Trotz seines überraschenden 10 000-m-Erfolges stand der Titelkampf für den deutschen Meister Frank Dittrich unter keinem guten Stern. Der Chemnitzer stürzte gleich in der ersten Kurve des 500-m-Rennens und konnte damit als 16. nicht das angestrebte WM-Ticket buchen, das nur den besten 14 Herren der Vierkampf-Konkurrenz vorbehalten war. Somit werden voraussichtlich nur zwei Deutsche an den Welttitelkämpfen in Milwaukee teilnehmen können.

Rintje Ritsma - ohne Sieg zum Vierkampf-Titel

Eine glänzende Leistung vollbrachte Knut Morgenstern aus Chemnitz, der bei seinem Debüt mit vier Bestleistungen Platz 11 erkämpfte. Der Titel ging zum sechsten Mal an den Niederländer Rintje Ritsma, der ohne Streckenerfolg zum EM-Gold kam. Die Medaillenränge gingen an den Norweger Eskil Ervik und den Niederländer Ids Postma.

Lars Pettersen, dpa

Geändert am 16. Januar 2000 19:37 von to
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